Bach in Wupperfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

Bericht über das Konzert in der Westdeutschen Zeitung am 29.11.2015

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Konzert am 20. Juni 2015 in der Alten Kirche Wupperfeld

Franz Schubert: Letzte Lieder und Messe Es-Dur

  Samstag, 20. Juni 2015 19:30 UhrAlte Kirche Wupperfeld
 
 Franz Schubert
Messe Es-Dur
D 950
Letzte Lieder

Bericht über das Konzert in der Westdeutschen Zeitung

 

Schubert und Brahms – Anwälte des Lebens

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Überzeugende Aufführung der Unvollendeten und des deutschen Requiems in der Alten Kirche Wupperfeld. Bergische Kantorei und Bergisches Kammerorchester brillierten.

Novemberkonzerte haben ihre eigene Atmosphäre. Sie verleihen dem Charakter dieser be-sonderen Jahreszeit und der Trauer der Menschen Ausdruck. Nicht so im Konzert der Bergischen Kantorei Wuppertal am 22.11.2014 in der Alten Kirche Wupperfeld. Hier wurde eine zahlreich erschienene Zuhörerschaft Zeuge einer seltenen anderen Facette im deutschen Requiem von Johannes Brahms und in der zuvor aufgeführten „Unvollendeten“ von Franz Schubert.

Die h-Moll-Symphonie Schuberts dem Werk von Brahms voranzustellen, stimmte schon auf das Thema des Abends ein: Wege finden, Realität bewältigen – das Lebensthema auch Franz Schuberts. Man kennt dieses Werk mit seinen Kreiselbewegungen, Abrissen, Kontrasten und endlos erscheinenden thematischen Linien. So überschaubar die zweisätzige „unvollendete vollendete“ Anlage wirkt, stellt sie die Ausführenden doch vor größte Herausforderungen. Das Bergische Kammerorchester zeigte sich bestens eingestellt und als musizierender Organismus. Die Ausführung war technisch höchst versiert. Die Gruppen musizierten bestens aufeinander abgestimmt. Die Interpretation war eindringlich und zeigte dem Hörer eine enorme Bandbreite zwischen vergeistigtem Kammermusikdialog und der Wucht des ultimativen Orchestertuttis. Es war der erste Höhepunkt des Abends.

Die Interpretation des sich daran anschließenden deutschen Requiems von Johannes Brahms erging sich nicht im erschlagenden Klangpathos, sondern berührte den Hörer auf eine andere Weise. Die überraschend vitalen Tempi wirkten erfrischend und rangen dem Werk Leichtigkeit und Zuversicht ab; hochdramatisch zwar, aber auf eine Lösung der brennenden Textfrage „Wes soll ich mich trösten?“ pochend. Die Erlösungswirkung in den beiden großen Chorfugen „Der gerechten Seelen sind in Gottes Hand“ und „Herr, du bist würdigt zu nehmen Preis und Ehre und Kraft“ war fulminant. Die Spannungsbögen, welche das Kammerorchester und die Kantorei unter der Leitung von Matthias Lotzmann inszenierten, nahmen den Zuhörer förmlich mit in das Geschehen hinein. Die sieben Teile des Requiem verschmolzen ineinander. Der Nummerncharakter des Werkes hörte auf, zu existieren. Frische, Leuchtkraft der Klangfarben und die hohe Elastizität der musikalischen Details ließen den Hörer an einer höchst lebensbejahenden Interpretation teilhaben, die naturgemäß von manchem überkommenen Bild Abschied nehmen ließ.

Beide Solisten, Alexander Schmitt (Bariton) und Helena Günther (Sopran), sorgten in ihren Partien für eine grandiose Inszenierung des „Herr, lehre mich, dass ich davon muss“ und des „Ich will euch wiedersehen“. Schmitt vermochte es anrührend, stimmlich und interpretatorisch alle Facetten des Sterbensmüssens abzubilden: Erschrecken, Verzweiflung und Anklage. Dabei brillierte er durch eine beeindruckende farbliche und dynamische Bandbreite seiner Stimme. Die Intimität seines Piano und die Geste seines großen Tons beeindruckten unmittelbar. Helena Günther sang von der ersten Empore „wie eine Stimme von oben“ auf die Ausführenden und Zuhörer herab. Sie gestaltete das „Ihr habt nun Traurigkeit“ innig, entwickelte wunderbare Bögen und berührte durch ein Timbre, das dem Charakter der Partie abgelauscht war. Zart und doch groß und entschlossen, erstrahlte ihre Stimme in Souveränität und technischer Perfektion.

Der Chor zeichnete sich durch eine beeindruckende mentale Präsenz aus, der Klang der Stimmen holte den Orchesterklang ab. Es entstanden wunderschöne dialogische Momente, die keine Wünsche offen ließen. Die große Aufgabe, die komplexe Partitur aufzuschließen und den unverwechselbaren Brahmschen Klang als sich entwickelnder Prozess und nicht als stehendes Ereignis entstehen zu lassen, wurde glänzend gelöst. Eine elegante Beweglichkeit in den Übergängen und Anschlüssen und eine große dynamische Bandbreite ließen das Oratorium zu einer dramaturgischen Entwicklung und Einheit werden, die fast siegreich anmutend in dem „Selig sind die Toten“ des letzten Satzes mündete. Nicht Totenkult, sondern die Hoffnung auf Leben verströmten Musik und Raum. Dabei zeigte sich der Chor technisch bestens disponiert und vorbereitet. Intonationssicher, die Frische der Stimme bis zum Ende bewahrend und niemals schleppend, erfuhren alle detaillierten musikalischen Anweisungen ihre Umsetzung.

Das Konzert endete in spürbarer Ergriffenheit aufseiten der Ausführenden wie des Publikums. Die Zuhörer dankten mit lang anhaltendem begeistertem Beifall.

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