(Nachschrift des Artikels der WZ online vom 24.09.2012)

Chorfest: Startschuss fiel mit dem „Schicksalslied“

Das Ökumenische Chorfest Barmen startete in der Alten Kirche Wupperfeld. Die Bergische Kantorei und der Chor der St. Antoniuskirche warteten bei dem „Schicksalslied“ von Johannes Brahms mit schönem, homogenem Chorklang auf, obwohl an der Textdeutlichkeit noch zu feilen wäre. Zusammen mit dem Bergischen Kammerorchester entwickelte sich unter dem Dirigenten Matthias Lotzmann die kontrastreiche Dynamik – mit markantem Fortissimo und sanftem Piano, um den Hölderlin-Text klangschön und textdeutend zu vermitteln.

In Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang“ teilten sich Lotzmann und Meik Impekoven das Dirigat. In der langen, einleitenden Symphonie gab es kleine Unstimmigkeiten in den Tempi, mussten sich die Blechbläser in den Gesamtklang einfinden. Der schön wiegende Mittelteil gelang weich und überzeugend. In der Kantate wechselte sich der stark besetzte Chor mit den Solisten ab. Dorothea Brandt, Christine Röleke (beide Sopran) und Marco Schweizer (Tenor) glänzten mit schönen Oratorienstimmen. Die großen Chorfugen gelangen sicher, die Dynamik dürfte noch reicher gestaltet sein. Auch die Endungen waren nicht immer einheitlich abgesprochen.

Im ergreifenden Sopran-Tenor-Duett („Drum sing´ ich mit meinem Liede“) harmonierten die Solostimmen aufs Feinste. Und der grandiose, fugale Schlusschor „Ihr Völker, bringet her dem Herrn Ehre und Macht“ mit der wiederholten Zeile „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ schien mit machtvollem Schlussakzent den relativ kleinen Kirchenraum fast zum Erbeben zu bringen. Für den gelungenen Feststart gab es begeisterten Applaus.

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(Nachschrift des Artikels der WZ online vom 14.04.2011)

Klangvoller Schlagabtausch

Die Bergische Kantorei Wuppertal begeisterte mit der "Johannespassion".

Einen so großen Zustrom hat die Alte Wupperfelder Kirche lange nicht mehr erlebt: Rund 500 Zuhörer wollten sich Bachs "Johannespassion" nicht entgehen lassen. Sie erlebten eine hochkonzentriert dargebotene Aufführung, die vom ersten bis zum letzten Takt den dramatischen Puls der Leidensgeschichte nach dem Text des Evangelisten Johannes spüren ließ.

Schon der Eingangschor beeindruckte. Unter Matthias Lotzmanns souveräner Leitung demonstrierte die Bergische Kantorei Wuppertal in den komplexen Chorpartien rhythmische und intonatorische Sicherheit, gepaart mit einer Klangfarbenvielfalt und hohem Ausdrucksvermögen. Geschickt setzte sie die Partitur des "Fünften Evangelisten", wie Johann Sebastian Bach gern genannt wird, um und wurde dem Meditativen in den Chorälen ebenso gerecht wie der Dramatik in den Chören. Mit Präzision und Leichtigkeit meisterte sie den permanenten Schlagabtausch zwischen Solisten- und Chorpartien.

Ein stimmlich ausgewogenes Solistenensemble unterstützte die Kantorei. Tenor Marco Schweizer zog die Zuhörer regelrecht in den Bann. Mit einem in allen Höhen klaren, sicheren, dem Dramatischen gerecht werdendem Sopran begeisterte Hildegard Keller. Innig-eindringlich beherrschte die Altistin Heike Bader ihre großen Arien. Elegant und sauber, abgeklärt, fast entrückt im Vortrag führte Bassbariton Alexander Schmitt seine Linien. Als weiterer Bass sang Magnus Piontek die Christusworte einfühlsam und würdig – mit sonorer, profunder Stimme. Das Orchester rundete die ergreifende Aufführung mit enormer Spannkraft und musikalischer Kondition ab.

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(Nachschrift des Artikels der WZ online vom 04.10.2010 von Meike Nordmeyer)

Haydns "Die Schöpfung" für den Wiederaufbau Haitis

Die Bergische Kantorei und das Bergische Kammerorchester spielten für den Wiederaufbau Haitis

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Aufführung der Schöpfung am 02.10.2010 (Foto:Uwe Schinkel)

Die Proben begannen im Frühjahr. Als Chorleiter Matthias Lotzmann für die Bergische Kantorei die ersten Termine zur Einstudierung von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" ansetzte, waren die erschütternden Bilder von der Naturkatastrophe in Haiti noch sehr präsent. Am 12. Januar 2010 hatte ein Erdbeben das Land schwer verwüstet.

So entschlossen sich der Chorleiter und die Kantoristen, die Aufführung des Oratoriums zu einem Benefizkonzert zu machen und damit Spendengelder für Haiti zu sammeln. Auch das Bergische Kammerorchester und die Solisten zogen mit und erklärten sich bereit, auf ihre Gage zugunsten des Spendenprojekts für den Wiederaufbau zu verzichten.

Zur Aufführung des beliebten klassischen Oratoriums am Samstagnachmittag ist die Alte Kirche Wupperfeld vollbesetzt. In diesem Konzert ist auch die neue Truhenorgel der Bergischen Kantorei zu hören. Die finanzielle Unterstützung der
Dr. Werner Jackstädt-Stiftung und der Johannes-Rau-Stiftung haben die Anschaffung des Instrumentes ermöglicht. Als Ehrengast sitzt daher auch Lore Jackstädt im Publikum.

Die Überzahl der Frauenstimmen macht den Chorklang sehr hell

Die Kantorei überzeugt mit einer präzisen Umsetzung des Werkes. Die Chorsänger entwickeln schöne dynamische Abstufungen und die für das Oratorium erforderliche Strahlkraft. Der Chorklang ist insgesamt sehr hell, was an der deutlichen Überzahl an Frauenstimmen liegt. Die Männer halten sicher dagegen. Eine Verstärkung durch weitere Mitsänger wäre ihnen aber zu wünschen.

Das Bergische Kammerorchester entfaltet unter der genauen Leitung von Matthias Lotzmann ein frisches, federndes Spiel und plastische Tonmalereien. Die Holzbläser sorgen mit feinen Sequenzen für schöne Klangfarben, die Cellisten lassen ihre Instrumente innig singen. Aufmerksam und stimmig trägt das Orchester auch die Sänger.

Die Solisten gestalten ihren Part sicher und sind gut aufeinander eingestimmt. Bariton Alexander Schmitt überzeugt vor allem durch die klangvoll und deutlich gesungenen Rezitative. Tenor Marco Schweizer erfreut mit schönem, geschmeidigen Klang. Er ist nur gelegentlich versucht, besonders ausdrucksvolle Passagen etwas zu forcieren. Hildegard Keller setzt den Sopran-Part sehr verlässlich um. Ihre Stimme bleibt jedoch eher kühl und in der Höhe etwas eng. Altistin Verena Kortmann kommt erst im Schlusssatz zum Einsatz. Sie fügt sich gut in das Solistenquartett ein.

"Singt dem Herren, alle Stimmen" ertönt als Zugabe zum zweiten Mal

Das Publikum zeigt sich begeistert von der anspruchsvollen Aufführung. Erneut lässt Lotzmann daher Chor, Orchester und Solisten das Finale anstimmen. Noch einmal ertönt damit "Singt dem Herren, alle Stimmen!" durch die Wupperfelder Kirche.

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 (Nachschrift des Artikels aus der WZ vom 10.11.2009 von Meike Nordmeyer)

Meeresstille, zarte Töne und ein schreiender Hirsch

Gehaltvolles Konzert beim Festival

Im Rahmen des "Festivals der Stimmen" lud die Bergische Kantorei unter der Leitung von Matthias Lotzmann zu einem Konzert mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy in die Alte Kirche Wupperfeld ein. Gemeinsam mit dem Bergischen Kammerorchester und dem Westfälischen Barockbläserensemble gestalteten sie im Jubiläumsjahr ein großes Programm zu Ehren des 1809 geborenen Komponisten.

Den Auftakt bildet die Konzertouvertüre "Die Hebriden". Kammerorchester und Bläserensemble finden zu einem ausgewogenen Klangkörper zusammen. Unter dem Dirigat von Chorleiter Lotzmann entwickeln sie differenziertes Spiel und satten Orchesterklang. Fein musizierte Sequenzen sind bei den Holzbläsern zu hören, das Blech spielt zuverlässig und klar, tönt dabei nur gelegentlich etwas dominant.

Schöner Abschluss mit glänzenden Solisten

Im Eingangsstück der Psalmkantate "Wie der Hirsch schreit" verströmen die Chorsänger einen innigen Ton. Beeindruckend ist der Kontrast, den der Text zur Stimmung der Komposition ergibt. Wenn es heißt "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir", wirkt die Chorstimme nicht aufgewühlt, sondern fließt ruhig dahin und vermittelt so eine Geborgenheit im Glauben und Sehnen.

Die Kantoristen entfalten die Kantate mit homogenem Klang. Sie könnten nur mitunter etwas zupackender agieren. Stellenweise gibt es kleine Ungenauigkeiten, etwa beim Quintett in der Koordination von Orchester, Solistin und Chor. Sopranistin Hildegard Keller singt im zarten Ton und gestaltet präzise. Ihrer leicht nach innen gewendeten Stimme fehlt lediglich etwas Strahlkraft.

Auch mit der Konzertouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt" überzeugt das Orchester. Mit dem folgenden Werk "Lauda Sion" erbringt die Kantorei noch einmal eine gute Leistung. Die Solisten, mit der Sopranistin Keller auch Heike Bader (Alt), Marco Schweizer (Tenor) und Sebastian Auler (Bass) passen sehr gut zusammen. Sie sorgen für einen glänzenden Abschluss.

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 (Nachschrift der Kritik von Tanja Heil in der WZ vom 06.01.2009)

Die Zugabe gab’s von den Zuhörern selbst

Die Bergische Kantorei überzeugte beim Heimspiel in der Alten Kirche Wupperfeld

Es war ein beeindruckendes Konzert, das die Bergische Kantorei Wuppertal am Sonntag in der fast ausverkauften Heimatkirche Wupperfeld unter ihrem Dirigenten Matthias Lotzmann gab. Selten hört man Bachs Weihnachtsoratorium so textinnig musiziert, mit viel Bedeutung auf den geistlichen Worten.

Der Chor bildet eine große Einheit, in der die einzelnen Stimmen gleichberechtigt zu hören sind. Deutlich macht sich die gute Stimmbildung von Heike Bader bemerkbar: Alle Stimmgruppen klingen gleichermaßen frisch, unangestrengt und voluminös.

Zwischen Weihnachtsoratorium und "Feuerwerksmusik"

Nach den ersten drei Teilen des Weihnachtsoratoriums im vergangenen Jahr präsentiert die Kantorei diesmal die Teile IV bis VI. Dazu spielen das Bergische Kammerorchester und das Westfälische Barockbläserensemble anlässlich des beginnenden Händel-Jahrs die Ouvertüre zu Händels "Feuerwerksmusik", von Lotzmann mit frischen Tempi und gut gestalteten Linien dirigiert. Richtig glänzen können die Bläser im Weihnachtsoratorium. Sie spielen mit wunderbarem Ton, einfühlsam angepassten Klangfarben und passgenauer Intonation.

Lotzmann stellt die Solisten auch räumlich in den Vordergrund, legte überhaupt viel Wert auf Raumwirkung. So spielte die Echo-Oboe in der Sopran-Arie "Flößt, mein Heiland" ihre Replik von der Seite, während im Terzett der drei Solisten die Altistin ihr "Schweigt" hinter den anderen beiden stehend singt.

Die Altistin Heike Bader, bekannt auch als Stimmbildnerin der Wuppertaler Kurrende, überzeugt mit ihrer dunkel gefärbten, aber gleichzeitig strahlenden Stimme. Die Sopranistin Sigrun Haaser hingegen hat Mühe, den Raum zu füllen, gestaltet ihre Partie aber schön.

Mit einer Erkältung hat der Tenor Rüdiger Husemeyer zu kämpfen, während Bariton Rainer Killius mit seiner volltönenden Stimme und detaillierten Ausgestaltung der Partie überzeugt. Der Chor agiert auch im Wechselspiel mit den Solisten aufmerksam, singt schwierige Einwürfe exakt und klangvoll.

Das kleine Streichorchester und die Continuo-Gruppe runden den positiven Gesamteindruck ab. Am Ende gibt es reichlich Applaus, doch für die Zugabe müssen die Zuhörer selbst sorgen. Gemeinsam singen alle zum Abschluss den Bach-Choral "Nun danket alle Gott".

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 Nachschrift des Artikels in der WZ vom 07.04.2008 von Veronika Pantel)

Jubel, Zorn und Begeisterung

Die Bergische Kantorei singt Werke von Bach und Händel

Gewissenhafte Chorleiter wählen Werke aus, die ihre Laiensänger bewältigen können, sie aber ebenso angemessen fordern. Am Samstag ging diese Rechnung auf: Matthias Lotzmann studierte für das Osterkonzert mit der Bergischen Kantorei in der Alten Kirche Wupperfeld zwei frühe Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel ein.
Die Kantate "Christ lag in Todesbanden" dürfte Bach als etwa 23-Jähriger geschrieben haben. "Dixit Dominus" entstand 1707, als Händel 22 Jahre alt war. Das Bach-Werk ist eine Choralvariation in sieben Sätzen, wobei dem Chor zwei Verse zukommen. Mit viel Singfreude gestaltet er seine Parts Gut gewichtet, homogen und meist sicher intonierend erklingen die Stimmengruppen, nur den Männerabteilungen des engagierten Chores wünscht man deutlichen Zuwachs.

Gelungenes Zusammenspiel von Chor, Solisten und Kammerorchester

Auch mit der Streicherbesetzung des Bergischen Kammerorchesters ist das Klangvolumen bestens abgestimmt. Den dramaturgischen Höhepunkt im fünften Vers "Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen" singen die vier Solisten mit angenehmer Stimmenmischung, auch in den eng geführten Fugenteilen nachvollziehbar – und die eingeworfenen Achtel werden rhythmisch betont,

Jutta Hotz glänzt mit leicht timbriertem Sopran und klaren Höhen, Heike Bader (Mezzosopran) mit runder, ausgewogener und voller Mittellage. Tenor Marco Schweizer, mit glatter und strahlender Stimme, überzeugt im Solo des dritten Verses mit sauberen Jubelkoloraturen. Im Bass-Solo von Rainer Killius, der mühelos in der Tiefe agiert könnten sich die Instrumente noch mehr zurücknehmen.

Gefordert ist der Chor im Händel-Werk, das die Inthronisation eines Fürsten in opernhaften Zügen und angelehnt an die italienische Instrumentalmusik der Zeit beschreibt. "Dominus a dextris tuis" ist ein imposanter Chorsatz mit polyphoner Stimmenführung. Furcht und Qual des Menschen im Angesicht des Jüngsten Gerichts beschreiben chromatische Wendungen und dissonante Klänge – hier werden sie von Soli und Chor im breiten Fluss anschaulich vorgetragen.

Aufgeregte Streichertremoli beschreiben den Zorn Gottes, Im "Tu es sacerdoa" weiten sich die Soli zum bewegten Quintett (Christiane Sauer, Sopran). Die kunstvolle Tripelfuge im Schlusssatz des Chores "Gloria Patri et Filio" und die weitläufigen "Amen"-Koloraturen im letzten Abschnitt verlangen höchste Präzision und Aufmerksamkeit von Chor und Instrumentalisten gleichermaßen. Rundum gelungen ist dieses Osterkonzert, in dem als instrumentaler Zwischenpart Bachs Cembalokonzert in A-Dur, versiert vorgetragen, erklingt.

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 (Nachschrift der Kritik von Veronika Pantel in der WZ vom 20.12.2007)

Kantorei singt Oratorium von Bach sensibel

Die Bergische Kantorei, das Bergische Kammerorchester und das Westfälische Barockbläserensemble haben sich mit vier Solisten unter der engagierten Leitung von Matthias Lotzmann der ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach angenommen. Gut vorbereitet präsentierte sich der Chor in der Alten Kirche Wupperfeld. Er gestaltete die homophonen Choräle mit dynamischen Feinheiten. Auch die große Fuge "Ehre sei Gott" und die kanonischen Einsätze im "Lasset uns nun gehen" gelangen recht sicher, wenngleich gegen die Instrumente angesungen wurde. Denn die neigten zur Klangdominanz. Wohltuende Ausnahmen bildeten die Soloinstrumente, die die Arien begleiteten.

Marco Schweizer führte mit strahlendem, und doch weichem Tenor in seinen Rezitativen durchs weihnachtliche Geschehen. In seiner Arie glänzte er mit gut ausgesungenen Koloraturen. Altistin Heike Bader gelang ihre Arie "Schlafe, mein Liebster" klangschön, obwohl man bei den Instrumenten innige Spielweise und barocke Federkraft vermisste. Die Sopranstimme von Jutta Hotz und der Bass von Rainer Killius mischten sich gut in der stillen Betrachtung "Herr, dein Mitleid". Mit der Wiederholung des Eingangschores der dritten Kantate antwortete der Chor zusammen mit den schmetternden Bachtrompeten im zweiten Teil und beschloss in gläubiger Gewissheit: "…weil unsre Wohlfahrt befestiget steht."

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 (Nachschrift der Kritik von Veronika Pantel in der WZ vom 25.10.2007)

Klangrausch als Trost für die Lebenden

80 Sänger präsentierten Brahms

Fast sprengte die Klanggewalt aus 80 Kehlen und von 40 Instrumenten den eher kleinen Raum in der Alten Kirche Wupperfeld: "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms, dargeboten von der Bergischen Kantorei Wuppertal, dem Oratorienchor Kamen, dem Bergischen Kammerorchester und zwei Solisten entfesselte einen überbordenden Klangrausch. Um die Lebenden zu trösten, schrieb Brahms seine Musik zu Bibeltexten.

Wie klangschön der große Chor unter umsichtiger Leitung von Matthias Lotzmann singen kann, bewies er an Pianostellen, etwa im "… denn sie sollen getröstet werden". Dabei überzeugte Einheitlichkeit der Stimmgruppen, feine Zwischentöne und weicher Gesamtklang. Hart und holzschnittartig dazu ist der Kontrast im Trauermarsch: "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras." Dynamische Steigerungen meisterte der Chor zusammen mit Bariton Vadym S. Shvydkiy, der trotz großen Volumens zum Forcieren neigte. Dies fiel auch im Chorgesang auf, der sich Fortissimo-Duelle mit dem Orchester zu liefern schien. So konnte der besonnene Ruhepol des Werkes "Wie lieblich sind deine Wohnungen" seine poetisch-lyrische Strahlkraft kaum entfalten. Auch das Sopran-Solo (sicher: Jutta Hotz) litt unter der Übermacht des Orchesters, wogegen der Chor zu klangreicher Zurückhaltung fand.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 20.04.2007)

Idealisten geben nicht auf

Vor einem Jahr übernahm Matthias Lotzmann die künstlerische Leitung. Nun lädt er zum ersten "Bergischen Singtag". Von Martina Thöne "Der Idealismus ist da, es ist aber trotzdem sehr mühselig." Sabine Loose Grimmel bringt die Stimmung auf den Punkt. Wer die begeisterte Sängerin und ihre Vorstandskollegen auf die Zukunft der Bergischen Kantorei Wuppertal anspricht, spürt es sofort: Die 80 Chormitglieder sprechen mit einer Stimme – und haben sich nicht aufgegeben. Im Gegenteil. "Das Klima ist gefestigt", betont Karl-Heinz Wagener als Vorsitzender. Auch Matthias Lotzmann ist froh, dass seine Sänger nach der Finanzmisere nicht in Depressionen verfallen. "Wir sind eine tolle Gemeinschaft", sagt der künstlerische Leiter – obwohl oder gerade weil die vergangenen Monate nicht einfach waren.

Im Frühjahr 2005 war die Stimmung am Boden. Damals war bekannt geworden, dass die an der Kantorei beteiligten Gemeinden Wupperfeld und Unterbarmen-Mitte den Rotstift zücken. Das Ende vom Lied war eine "betriebsbedingte" Kündigung von Kantor Carsten Zündorf. Allein der Förderverein verhinderte das endgültige Aus: Nach Zündorf übernahm Lotzmann 2006 die Kantorei. Sabine Loose-Grimmel erinnert sich noch heute mit Bangen: "Wir standen vor der Frage: Machen wir weiter oder geben wir auf?" Die Kantorei machte weiter – nicht mit anhaltender Verbitterung, sondern mit unermüdlicher Euphorie. Mit genau der blickt Lotzmann optimistisch in die Zukunft. "Wir sind jetzt selbstständig. Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch." Nein, nachtreten wollen die Sänger nicht – auch wenn nicht zu überhören ist, dass sie enttäuscht sind, weil die Kirchenleitung nicht das Gespräch suche. "Es wäre fatal, wenn es jetzt hieße: Seht doch, es geht auch ohne Geld." Denn ohne finanzielle Basis geht es natürlich nicht. Die liefert inzwischen der 100 Mitglieder starke Förderverein.

"Die Nähe zur Gemeinde wurde aber nicht aufgegeben." Das ist Lotzmann wichtig – genauso wie der Auftritt im Gottesdienst. In der Hauptkirche Unterbarmen und der Alten Kirche Wupperfeld arbeitet die Kantorei an ihrem Profil. Pläne gibt es schließlich genug: Bach-Kantaten will Lotzmann regelmäßig aufführen, im Oktober steht das Brahms-Requiem auf dem Programm, und am 16. Juni gibt es eine Premiere: den ersten "Bergischen Singtag". Der wird nicht nur von viel Idealismus, sondern vor allem von der Hoffnung getragen, dass auch neue Stimmen die Liebe am Singen entdecken.

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 (Nachschrift des Kommentars von Martina Thöne in der WZ vom 20.04.2007)

Kräfte bündeln

Hut ab: Nachdem die Gemeinden den Geldhahn zugedreht hatten, haben sich die Sänger der Bergischen Kantorei nicht trotzig in eine (Kirchen-)Ecke zurückgezogen, sondern auf die eigenen Qualitäten besonnen. Dabei stehen sie mit ihren Finanzproblemen nicht alleine vor dem Altar. Die Zukunft der Kirchenmusik hängt nicht allein von Sponsoren, sondern auch von Kooperationen ab. "Viele haben Angst vor Profilverlust", beklagt Matthias Lotzmann mit einem Blick in den Kollegenkreis. Angst, die unberechtigt ist: Einzelne Chöre müssen sich nicht komplett aufgeben, wenn sie Programme aufeinander abstimmen, können aber durch gemeinsame Projekte Kräfte bündeln. Die Reihe "Wuppertal liest" ist ein Erfolg. Wenn es nach Lotzmann geht, könnte es in Anlehnung daran bald heißen: "Wuppertal singt". Das wäre ein klares Signal – ein Zeichen dafür, dass die Kirchenmusik im Wuppertaler Kulturleben (mehr als) eine gewichtige Stimme hat.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 27.03.2007)

Tadelloser Auftritt der Bergischen Kantorei

Die Bergische Kantorei Wuppertal ist eine der wenigen evangelischen Kirchenchöre, die nach dem Wegfall der meisten professionellen Kantorenstellen eigeninitiativ weitermacht. Und das zu Recht. Denn sie ist ein hoch motivierter, ausgezeichneter Laienchor. Davon konnte man sich wieder einmal aufs Neue überzeugen, als sie in der Unterbarmer Hauptkirche ein Passionskonzert gab. Die beiden Kantaten von Johann Sebastian Bach ("Jesus nahm zu sich die Zwölfe" und "Ich hatte viel Bekümmernis") und Oliver Messiaens "O Sacrum convivium" sind wahrlich nicht anspruchslos. Doch unter der umsichtigen Leitung von Matthias Lotzmann legten sich die Kantoristen mächtig ins Zeug. So gelang ihnen, abgesehen von ein paar unwesentlichen Unstimmigkeiten, eine sehr differenzierte und bewegende Deutung dieser Passionsmusiken. Das Westfälische Barockbläserensemble und die Sinfonietta Wuppertal begleiteten sensibel und spielten eine Hymne (Largo cantabile) von Charles Ives und Samuel Barbers Adagio op. 11 sehr aussagekräftig. Auch die Gesangssolisten Jutta Hotz (Sopran), Cordula Boy (Alt), Marco Schweizer (Tenor) und Rainer Killius (Bariton) konnten mit beweglichen Stimmen überzeugen.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 21.12.2006)

Kantorei jauchzt und frohlockt

Wenn in evangelischen Kirchen gejauchzt und frohlockt wird, ist klar: Jetzt kommt richtige Weihnachtsstimmung auf. Das war der Fall, als die Bergische Kantorei Wuppertal die ersten drei Teile des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach aufführte. Natürlich pilgerten die Besucher in Scharen in die Unterbarmer Hauptkirche.
Die 70 Choristen präsentierten sich bestens disponiert und hoch motiviert. Unter Matthias Lotzmanns umsichtigen Dirigat stimmten sie klangvoll das "Jauchzet, frohlocket" an. Auch die anderen Chorstellen bis hin zum finalen "Herrscher des Himmels" gelangen ihnen mit einer gepflegten Intonation sehr kultiviert und anrührend.

Hinzu gesellten sich das Westfälische Barockbläserensemble und ein für das Projekt zusammengestelltes Kammerorchester. Abgesehen von kleinen Patzern überzeugten sie mit einem souveränen Continuospiel, routinierten Soli, differenziertem Gesamtklang und begleiteten den Chor und die Gesangssolisten sensibel.
Das Solistenquartett hingegen erfüllte nicht alle Wünsche. Während Marco Schweizer mit seinem lyrischen Tenor einen ausdruckstarken Evangelisten abgab, zeigte sich Bariton Matthias Bönner der Technik und dem Volumen seiner Partien nicht immer gewachsen. Dagegen war der kraftvolle Sopran von Jutta Hotz selbst im Piano tragfähig. Altistin Cordula Boy hatte – ähnlich wie Bönner – in der tiefen Lage dynamische Probleme.
Trotzdem war der Abend eine wundervolle Einstimmung auf Weihnachten. Also darf man sich schon jetzt auf den 15. Dezember 2007 freuen, wenn die Bergische Kantorei Wuppertal in der Alten Kirche Wupperfeld jauchzt und frohlockt.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 03.11.2006 von Hartmut Sassenhausen)

Motivation, Trost und Gottes Wort

"Musikalische Vesper" in Unterbarmen

Vor über einem Jahr, nach dem Weggang von Kantor Carsten Zündorf, war die Aufregung bei der Bergischen Kantorei und dem Bläserkreis Unterbarmen groß. Die Zukunft war ungewiss. Doch mit Matthias Lotzmann, der die Kantorei übernahm, und Daniel Barsanu als neuem Leiter der Bläser fanden sich Musiker, die neue Motivation mitbrachten. Das Resultat gab es in der Unterbarmer Hauptkirche zu erleben: eine gelungene "musikalische Vesper" zum Reformationstag. Unter Lotzmanns umsichtigen Dirigat sangen die Kantoristen hochmotiviert und ausdrucksstark – mit und ohne Blechbläserbegleitung. Auf dem Programm standen Kirchenlieder von Johann Pachelbel ("Tröste, tröste uns Gott"), Johann Walter ("Allein auf Gottes Wort") und Heinrich Schütz ("Ich bin die Auferstehung und das Leben"). Nicht minder engagiert und gehaltvoll intonierten die Unterbarmer Blechbläser, tatkräftig unterstützt vom Bläserkreis der evangelischen Kirchengemeinde Cronenberg, bekannte Choräle ("Ein feste Burg ist unser Gott", "Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren"). Schade nur, dass Barsanu das Ensemble zum letzten Mal tatkräftig führte. Denn es war offensichtlich, dass sich die Bläser unter ihm wohl fühlten und so ihre Instrumente strahlend zum Einsatz brachten.

Die gelungene "musikalische Vesper" brachte zumindest die Gewissheit, dass sich trotz des Wegfalls von professionellen Kantorenstellen in Wuppertal Gemeindeglieder weiterhin für die Kirchenmusik stark machen. Also kann man sich schon jetzt auf die Aufführung der ersten drei Teile des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach mit der Bergischen Kantorei am 16. und 17. Dezember in der Unterbarmer Hauptkirche freuen. Und dem Bläserkreis bleibt zu wünschen, dass er einen guten neuen Leiter oder eine neue Leiterin für länger als ein dreiviertel Jahr findet.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 28.04.2006 von Veronika Pantel)

Kirchenschiff auf neuem Kurs

Die Finanzmisere der Kirchen macht kreativ: Wuppertaler Chöre gaben ein gemeinsames Konzert

Eigentlich war es ein fröhliches Ständchen zum Geburtstag des Herzogs, doch Johann Sebastian Bach benötigte dringend eine Kantate zum Osterfest, zu der er die heitere Musik umgestaltete. Das Oster-Oratorium (BWV 249) führten drei Wuppertaler Kirchenchöre, Solisten, das Westfälische Barocktrompeten-Ensemble und die Sinfonietta Wuppertal in der Unterbarmer Hauptkirche unter der Leitung von Matthias Lotzmann auf. Gerahmt von drei lebhaften Chorsätzen sangen die Solisten in Dialogen, wie die Anhänger Jesu sein Grab leer finden. Jutta Hotz (Sopran), Cordula Boy (Alt) und Matthias Bönner (Bariton) wurden mit beweglichen, nur hin und wieder forcierten Stimmen ihren Rollen gerecht. Lediglich Kitae Kims Tenor als Petrus fehlte es noch an Reife, Volumen und sicherer Höhe. Die Instrumentalklänge waren von der Dominanz der hohen Bachtrompeten überschattet, die in den Tutti-Passagen mächtig drängten. Sehr versiert spielten die Begleiter der Arien, Traversflöte, Blockflöten und Oboe über sicherem Continuo-Fundament. Der große Chor (Bergische Kantorei, Chor der Gemarker Kirche und Kantorei Dönberg) präsentierte sich bestens vorbereitet. Stimmenführung, Einsätze und Schlüsse waren gut geprobt. Ein stärker zurückgenommener Chorsopran hätte die Klanghomogenität gefördert. Lotzmann tat gut daran, die schwierigen "Lach-Koloraturen" ("Lachen und Scherzen begleitet die Herzen") im Mittelteil des einleitenden Chorsatzes mit Solostimmen zu besetzen. Denn der Chor zeigte sich in koloraturreichen Passagen nicht immer präzise genug. Von anderen Thomas-Kantoren stammten weitere Ostermusiken. "Christ lag in Todesbanden" aus der Zeit vor Bach vermittelte verhaltenen Osterjubel. Weicher Chorklang stand der innerlichen gedeckten Stimmung gut an.

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 (Nachschrift des Artikels in der WZ vom 22.04.2006)

Neue Kooperation

Drei Chöre und ein gemeinsames Osterkonzert

Es soll ein Projekt mit Beispielcharaker werden, wie Kirchenmusiker Matthias Lotzmann hofft: "Angesichts der prekären kirchenmusikalischen Situation" in Wuppertal haben sich drei Chöre für ein Osterkonzert zusammengeschlossen.

Genau genommen sind es zwei Konzerte, zu denen die Bergische Kantorei, der Chor an der Gemarker Kirche und die Kantorei Dönberg einladen.

Heute treten die Akteure in der Katholischen Kirche Dönberg an der Höhenstraße auf, morgen sind sie – ebenfalls um 17 Uhr – in der Unterbarmer Hauptkirche an der Martin-Luther-Straße zu erleben. Auf dem Programm stehen Bachs Orchesterouvertüre D-Dur … und Osteroratorium. Auch Chorwerke von Schein, Hauptmann und Mauersberger sind zu hören.

In Zeiten knapper Geldmittel soll das Projekt, das die Kirchenmusiker Matthias Lotzmann und Matthias Bönner leiten, über Gemeinde- und Konfessionsgrenzen hinweg ein Zeichen setzen. Die Kooperation soll den Austausch der Chöre und des "kirchenmusikalischen Lebens" forcieren – "nicht allein auf der Talachse zwischen Barmen und Elberfeld", wie Lotzmann betont.

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 (Nachschrift des Artikels in der Wuppertaler Rundschau vom 19.04.2006)

Zwei Konzerte, ein Ziel

Kirchenmusiker werden für ihre Sache aktiv

Angesichts der prekären kirchenmusikalischen Situation in Wuppertal ist am 22. April um 17 Uhr in der katholischen Kirche St.-Maria-Hilf an der Höhenstraße auf dem Dönberg und am 23. April um 17 Uhr in der Unterbarmer Hauptkirche an der Martin-Luther-Straße ein besonderes Konzert zu hören. Bachs Orchester-Ouvertüre D-Dur (…) und Oster-Oratorium sowie Chorwerke von Schein, Hauptmann und Erhard Mauersberger stehen auf dem Plan. Es handelt sich um ein über Gemeinde- und Kirchenkreis- sowie Konfessionsgrenzen hinweg gemeinsam geprobtes Programm, das die Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal nicht einen Cent kostet. Getragen wird das Ganze von gemeinnützigen Vereinen, die sich der Förderung der evangelischen Kirchenmusik auf Gemeindeebene verschrieben haben: der Förderverein der Bergischen Kantorei e.V. und der Freundeskreis der Evangelischen Kirchenmusik an der Gemarker Kirche e.V. – hinzu kommt eine Unterstützung aus der Evangelischen Kirchengemeinde Dönberg. Aber damit nicht genug: Das unter Leitung von Matthias Lotzmann durchgeführte Projekt baut auf den Austausch zwischen den beteiligten drei Chören – Bergische Kantorei, Chor an der Gemarker Kirche und Kantorei Dönberg.

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 (Nachschrift aus der WZ vom 23.02.2006. Von Veronika Pantel "Aus der Not eine Tugend machen")

Interview mit Matthias Lotzmann: WZ 23.02.2006

Neue Zugkraft auf alten Gleisen

Als Leiter der Bergischen Kantorei baut Matthias Lotzmann das Repertoire aus.

Matthias Lotzmann bringt es auf den Punkt. In Zeiten, wo die hauptamtlichen Kirchenmusikerstellen in Wuppertal schneller schmelzen als Schnee in der Sonne, bleiben zwei Wege: Resignieren oder neue Ideen entwickeln. Lotzmann, seit zehn Jahren Kantor an der Gemarker Kirche, geht den Schritt vorwärts. Gerade hat ihn die Bergische Kantorei, die nach dem Weggang von Carsten Zündorf um ihren Bestand fürchten musste, zum neuen Leiter gewählt.

"Ich finde dort eine gute Gemeinschaft vor, engagierte und routinierte Chorsänger mit hohen menschlichen Qualitäten. Einen Chor, der bereit ist, am Klang zu arbeiten und sich in romantischer und Oratorien-Literatur zu Hause fühlt." Und das verleiht dem 43-Jährigen Flügel. "Ich sehe in der vielfältigen Vernetzung der kirchenmusikalischen Strukturen nicht nur eine realistische Chance, die existenzielle Krise der Kirchenmusik im Tal zu überwinden, sondern kreativ gestärkt daraus hervorzugehen". beschreibt er seinen Handlungsansatz. "Wir müssen weg vom Kirchturmdenken".

Wichtig ist ihm vor allem, im Kirchenkreis mit allen Aktivitäten wahrgenommen zu werden: Denn Kirchenmusik zu betreiben und zu pflegen, ist Dienst in der Gemeinde – Jugend- und Bildungsarbeit in einem, das muss Bestand haben." So steht für ihn das Geben und Nehmen – der kooperierende Austausch mit Kollegen ohne Neid – im Mittelpunkt. "Wir müssen weg vom Kirchturmdenken nach dem Motto: Das ist meine Kirche, meine Orgel, mein Chor. Ich hoffe, dass ich Verbündete an meiner Seite habe."

Vernetzung ist angesagt, geplant ist ein Zusammenwirken mit anderen Chören, den Gymnasien, Musikeinrichtungen der Stadt, der Musikschule, Musikhochschule oder der Universität. Schon zeigt sich Lotzmann als Mann der Tat und hat Bachs Oster-Oratorium auf das April-Programm gesetzt (nähere Infos unter www.bergische-kantorei.de). Bei der Kantate mit elf Nummern wirken zwei Chöre, Solisten und ein Orchester mit. So werden neben der Bergischen Kantorei auch der Gemarker Chor und die Kantorei Dönberg unter Matthias Bönner sowie das Orchester Sinfonietta mit im Boot sein. "Ich möchte die Zündorf’schen Gleise weiterbauen, aber auch einen Beleuchtungswechsel anstreben."

Lotzmann will das Repertoire erweitern und neue stilistische Akzente setzen. So wird es in der Alten Wupperfelder Kirche demnächst Evensong-Gottesdienste geben. Diese Tradition aus der anglikanischen Kirche stellt neben der Verkündigung von Gottes Wort die Raum-Licht-Wirkung in den Mittelpunkt, begleitet von heiterer, leicht zugänglicher englischer Chormusik. Und in Mitsing-Projekten will er Menschen ansprechen, die sich nicht kirchlich binden, aber singen wollen. Lotzmann denkt an eine Bachkantaten-Reihe in der Vorweihnachtszeit, realisiert auch in Freizeiten und intensiven Probenphasen. Dabei bleibt die Anbindung der Bergischen Kantorei, jetzt vom Förderverein "Kirchenmusik an der Wupper" getragen, an die Gemeinde der Unterbarmer Hauptkirche bestehen. "Der sonntägliche Gottesdienst ist der erste und wichtigste Ort, an dem die Chormusik ihre Sinnquelle hat", stellt Lotzmann fest und betont, dass das Singen ohne Verankerung in der Kirche Liebhaberei oder künstlerische Leistungsschau werden könnte.

Der neue Leiter ist ein "westfälischer Sturkopp". Dennoch ist Qualitätserhalt für ihn ebenso wichtig wie die Pflege gewachsener Strukturen. "Die Gemarker Kirche steht im engen Kontext zur nahen Synagoge und ist der ‘Barmer Erklärung’ verpflichtet." Darin prangerten evangelische Christen 1934 öffentlich die Rechtbrüche des NS-Staates an. Eines seiner nächsten Ziele ist daher die Aufführung von Dietrich Lohffs "Requiem für einen polnischen Jungen" (1998), in dem Opfer des Faschismus zu Wort kommen. Texte, die eingebunden sind in neue, aber keineswegs atonale Musik. Genug Programm also für den Kirchenmusiker voller Tatendrang, der, in Dortmund geboren, sich selbst als "westfälischen Sturkopp" bezeichnet. Das nimmt man ihm im lebhaften Gespräch gar nicht ab – obwohl diese Qualität bei der Verfolgung seiner Ziele für den Erhalt der Kirchenmusik ganz nützlich sein könnte.